27-8-2000

 

Elizabeth Barrett Browning

(1806-1861)

 

A page on Robert Browning, here                 

Sonnets from the Portuguese


XIV


If thou must love me, let it be for nought

Except for love's sake only. Do not say

"I love her for her smile--her look--her way

Of speaking gently,--for a trick of thought

That falls in well with mine, and certes brought

A sense of pleasant ease on such a day"--

For these things in themselves, Beloved, may

Be changed, or change for thee,--and love, so wrought,

May be unwrought so. Neither love me for

Thine own dear pity's wiping my cheeks dry,--

A creature might forget to weep, who bore

Thy comfort long, and lose thy love thereby!

But love me for love's sake, that evermore

Thou mayst love on, through love's eternity.



XXI



Say over again, and yet once over again,

That thou dost love me. Though the word repeated

Should seem "a cuckoo-song,"as thou dost treat it,

Remember, never to the hill or plain,

Valley and wood, without her cuckoo-strain

Comes the fresh Spring in all her green completed.

Beloved, I, amid the darkness greeted

By a doubtful spirit-voice, in that doubt's pain

Cry, "Speak once more--thou lovest! "Who can fear

Too many stars, though each in heaven shall roll,

Too many flowers, though each shall crown the year?

Say thou dost love me, love me, love me--toll

The silver iterance!--only minding, Dear,

To love me also in silence with thy soul.


XXXIII


The name I used to run at, when a child,

From innocent play, and leave the cowslips piled,

To glance up in some face that proved me dear

With the look of its eyes. I miss the clear

Fond voices which, being drawn and reconciled

Into the music of Heaven's undefiled,

Call me no longer. Silence on the bier,

While I call God--call God!--So let thy mouth

Be heir to those who are now exanimate.

Gather the north flowers to complete the south,

And catch the early love up in the late.

Yes, call me by that name,--and I, in truth,

With the same heart, will answer and not wait.

 

 

XLIII

 

How do I love thee? Let me count the ways.
I love thee to the depth and breadth and height
My soul can reach, when feeling out of sight
For the ends of Being and ideal Grace.
I love thee to the level of everyday's
Most quiet need, by sun and candle-light.
I love thee freely, as men strive for Right;
I love thee purely, as they turn from Praise.
I love thee with a passion put to use
In my old griefs, and with my childhood's faith.
I love thee with a love I seemed to lose
With my lost saints, --- I love thee with the breath,
Smiles, tears, of all my life! --- and, if God choose,
I shall but love thee better after death.

 

"Sonetos da Portuguesa", porquê?

Esta sequência de 44 sonetos, publicada em 1850 é o registo do amor da autora pelo seu futuro marido, Robert Browning. Este costumava chamá-la "minha pequena portuguesa", devido à sua tez escura.


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Famous poets and poems

 

35/2003

Der Himmel über Florenz

Elizabeth Barrett und Robert Browning: Eine Dichterliebe fasziniert die literarische Welt der Viktorianischen Epoche

Von Klaus Thiele-Dohrmann

Eigentlich soll es nur ein kollegial-poetischer Briefwechsel sein, aber im Handumdrehen wird es zu einem Liebesroman – zu einem Liebesroman, der die literarische Welt in Atem hält. Sogar eine richtige Entführung gibt es. Und halb England seufzt noch einmal wohlig auf, als die heimliche Korrespondenz nach dem Tod des Dichterpaares endlich zu lesen ist. Innerhalb von 20Monaten haben Elizabeth Barrett und Robert Browning nicht weniger als 573 Briefe miteinander gewechselt. „Wir müssen sofort heiraten und nach Italien fahren“, drängt Browning seine Verlobte am 10.September 1846 in seinem letzten Brief. Neun Tage später verlässt die sterbenskranke Elizabeth Barrett, ohne Wissen ihres strengen Vaters, mit ihrer Haushälterin Elizabeth Wilson und ihrem Cockerspaniel Flush das noble Haus in der Londoner Wimpole Street, um mit Robert Browning ein neues Leben zu wagen. Blick auf Florenz - Ausschnitt aus einem Gemälde von Camille Corot, um 1835Add.: AKG

Als das frisch verheiratete Paar über Le Havre und Paris seine Flucht nach Italien antritt, ist Elizabeth Barrett allerdings keine Julia mehr, sondern eine Frau von vierzig Jahren und eine bekannte Dichterin. Robert Browning ist sechs Jahre jünger und ein deprimierter Poet. Zwar haben seine frühen Gedichte, vor allem sein idealisierter Wahrheitssucher Paracelsus, bei der Londoner Kritik eine freundliche Aufnahme gefunden, doch seine große Dichtung Sordello, die im Jahre 1840 erschienen ist, wurde derb zersaust. Dem an eingängige romantische Verse gewöhnten Publikum fällt es offenbar schwer, beim Lesen von Gedichten auch den Kopf zu bemühen. Das annähernd sechstausend Verse umfassende Epos über das komplexe Seelenleben des berühmten Minnesängers Sordello wurde jedenfalls von vielen Kritikern als „überlang“ und „größtenteils unverständlich“ abqualifiziert. Erst eine Sammlung von Bühnenstücken und Gedichten, die Browning einige Jahre später unter dem Titel Glocken und Granatäpfel herausgibt und zu der auch das kleine Drama Pippa geht vorbei gehört (das später Gerhart Hauptmann inspirieren wird), findet in England wieder mehr Anklang.

Trotz dieses Auf und Ab: Brownings Weg in die Kunst und ins Leben war leicht gewesen. Am 7. Mai 1812 im Londoner Stadtbezirk Camberwell geboren, hatte er in seiner Jugend keine Sorgen gekannt. Seinem Vater Robert, der als Angestellter bei der Bank von England arbeitete, waren künstlerische Neigungen nichts Fremdes, nur hatte er selbst bei seinen eigenen Eltern nicht so viel Verständnis gefunden: Seinen Wunsch, Maler zu werden, hatte der Vater rasch zur Seite gewischt. Eine solche Enttäuschung wollte der Bankier dem eigenen hoffnungsvollen Sohn ersparen. Auch Brownings Mutter, Tochter einer Schottin und eines Hamburgers namens Wilhelm Wiedemann, war überzeugt von dem besonderen Talent ihres Sohnes und besorgte ihm arglos jede gewünschte Lektüre, die er nicht in der Bibliothek des Vaters fand – selbst Aufklärerisches von Voltaire und Ketzerisches von Shelley, dem erklärten Atheisten.

Schon mit fünf Jahren begann der angehende Poet ein Bändchen zusammenzudichten. Das Opusculum fand jedoch keinen Verleger, sodass der junge Musensohn sein Erstlingswerk enttäuscht vernichtete. Bis zu seinem 14. Lebensjahr in einer privaten Schule, die von einem Geistlichen geleitet wurde, erhielt der Junge in den folgenden Jahren zu Hause Privatunterricht in Zeichnen, Musik, Französisch und Sport. Vom Herbst 1828 an besuchte er Griechischvorlesungen an der gerade eröffneten Londoner Universität. Im Übrigen ließen die Eltern ihrem begabten Sohn freie Hand; anders als zum Beispiel Charles Dickens und William M. Thackeray, die sich ihren Lebensunterhalt zeitweise als Journalisten verdienten, brauchte er sich um einen Brotberuf nie zu bemühen und dichtete in größter materieller Freiheit vor sich hin.

Elizabeth Barretts Leben hatte ähnlich sorgenfrei begonnen. Auch sie, am 6. März 1806 als Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns in dem nordenglischen Dorf Kelloe geboren, interessierte sich schon früh für die Literatur, las Homer und Aischylos auf Griechisch und schrieb bald selbst Gedichte. Als Älteste von mehreren Geschwistern verlebte Elizabeth sorglose Jugendjahre – die jäh endeten, als sich das sportbegeisterte Mädchen mit fünfzehn Jahren bei einem Reitunfall schwer verletzte und zur selben Zeit an Tuberkulose erkrankte.

Von nun an lebte Elizabeth Barrett das Leben einer Schwerkranken, das noch verdüstert wurde durch den Schmerz über den Tod ihres Lieblingsbruders, der beim Baden im Meer ertrunken war. Die Familie, inzwischen nach London umgezogen, betrachtete das kaum bewegungsfähige Mädchen als todgeweiht und betete täglich an ihrem Bett. Von Arztvisiten und gelegentlichen Besuchen mitfühlender Bekannter abgesehen, hatte Elizabeth keinen Kontakt mehr zur Welt.

Doch ihre Innenwelt war umso lebendiger. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Kunst sollte die Gewissheit der eigenen Hinfälligkeit betäuben. Tag für Tag und Jahr für Jahr schrieb sie auf ihrem Krankenlager Sonette und romantische Balladen, aber auch Texte zu den Themen der Zeit, zur Sklavenarbeit der Kinder in den Bergwerken, über die Unterdrückung der Frau. Im Jahre 1844 brachte die energische Kranke eine zweibändige Sammlung von Gedichten heraus, darunter die Anklage Der Schrei der Kinder. Londons Kritiker waren hingerissen – und riefen Elizabeth Barrett zu Englands bedeutendster lebender Dichterin aus.

Auch Robert Browning kannte und bewunderte Elizabeth Barretts glühende Kunst. Aber der robust wirkende junge Mann mit der empfindsamen Seele, der selbst bei der Kritik kein Glück mehr hatte, traute sich nicht, der viel gepriesenen Dichterin persönlich seine Aufwartung zu machen.

Doch sie kannte seine Gedichte. Vor allem schätzte sie Brownings Einfühlsamkeit, schätzte gerade den Band Glocken und Granatäpfel, der von der Öffentlichkeit als „dunkel“ abgetan worden war. Elizabeth Barrett gab Browning sogar diskret „Schützenhilfe“: In ihrer Ballade Lady Geraldines Verlöbnis wird dem Protagonisten empfohlen, seiner Angebeteten „einen von Robert Brownings Granatäpfeln“ vorzulesen, denn ein Granatapfel zeige, „wenn man tief in die Mitte schneidet, ein Herz, dessen Adern vom Blut der Menschheit gefärbt sind“.

Wenige Tage nachdem Browning in Elizabeth Barretts neuen Gedichten diese zarte Huldigung entdeckt hat, schreibt er am 10. Januar 1845 seinen ersten Brief an die verehrte Kollegin. Er beginnt mit den Worten: „Ich liebe Ihre Gedichte von ganzem Herzen“ und steigert sich zu dem freimütigen Bekenntnis: „Ich liebe, wie gesagt, diese Bände von ganzem Herzen – und Sie liebe ich auch.“ Es ist der stürmische Anfang einer lebenslangen Passion.

Vorläufig bleibt dem jungen Minnesänger allerdings jede direktere Annäherung versagt. Barrett bedankt sich hocherfreut für Brownings unerwarteten Gruß. Einer Freundin teilt sie begeistert mit, sie habe vom „König der Mystiker“, dem Verfasser des Paracelsus-Gedichtes, einen wunderbaren Brief erhalten. Sie betrachtet Brownings Zeilen allerdings nur als eine zartfühlende Geste ihr, der Kranken, gegenüber und ist mehr gerührt als berührt von seiner Aufmerksamkeit. Sie sei dankbar für das Mitgefühl, das man ihr überall entgegenbringe, schreibt sie in ihrer Antwort an Browning, „sogar die Kritiker haben ihre Bärbeißigkeit gezähmt und brüllen meinetwegen sanft wie Tauben“.

Aber in dem nun folgenden Briefwechsel spürt Elizabeth Barrett bald, dass Browning mehr für sie empfindet als nur kollegiale Zuneigung. Er ist tatsächlich fasziniert von ihrer Dichtung und von der Persönlichkeit, die er darin zu erkennen glaubt. Und jetzt, da sie ihm geantwortet hat, ist seine Scheu, sie zu sehen und mit ihr zu sprechen, schlagartig verschwunden. Doch Elizabeth Barrett will eine Begegnung vermeiden, weil sie fürchtet, die Zusammenkunft mit ihr, einer kranken, ans Bett gefesselten Frau, könnte den jüngeren Dichter belasten, könnte ihn befangen machen und Verantwortung spüren lassen. Das aber will sie ihm auf keinen Fall zumuten, und sie weist Brownings Wunsch behutsam mit dem Hinweis zurück, dass ihr Vater keine Männerbesuche bei seiner todkranken Tochter dulde.

Browning bleibt beharrlich. Nach monatelanger brieflicher Belagerung bittet er um Einlass in die Festung ihres Krankenzimmers. Am 16. Mai 1845 schließlich willigt Barrett ein, auch wenn sie es „unziemlich“ findet, „hier auf dem Sofa zu liegen und aus meiner Gebrechlichkeit ein Schauspiel zu machen“.

Am 20. Mai 1845 treffen sich beide zum ersten Mal verstohlen in ihrem Krankenzimmer. Browning bleibt anderthalb Stunden – und die Begegnung muss einen überwältigenden Eindruck auf ihn gemacht, muss ihn in Bann geschlagen haben. Der Brief, den er ihr gleich danach schreibt, ist der einzige ihrer Korrespondenz, der nicht erhalten blieb: Browning erbittet ihn sich zurück, als die Frau, der er nun verfallen ist, ihn sanft, aber entschieden in die schicklichen Grenzen der Freundschaft weist.

Ihr Vater will die kranke Tochter ganz für sich allein

Da Elizabeth weiß, dass ihr Vater unter keinen Umständen eine Liebesbeziehung seiner kranken Tochter akzeptieren würde, scheinen Briefe und heimliche Besuche für sie und Browning die einzige Möglichkeit zu sein, diese Freundschaft zu leben. Aber die Strenge des frommen Vaters zeigt ihren wahren, egozentrischen Kern, als er sich strikt weigert, dem Rat der Ärzte zu folgen, seine Tochter für einige Zeit in ein wärmeres Klima reisen zu lassen. Mit einer gewissen Verbitterung nimmt er wahr, dass Elizabeth sich während der vergangenen Monate überraschenderweise etwas erholt hat und an warmen Tagen sogar kleine Spaziergänge unternehmen kann. Die Gefühle seiner Tochter für Robert Browning, die Freundschaft längst in Liebe verwandelt haben, sind ihm nicht verborgen geblieben. Er beschließt, die beiden voneinander zu trennen, und kündigt an, dass die Familie London verlassen und für längere Zeit in ein Haus auf dem Land ziehen werde.

Elizabeth durchschaut das Spiel, erkennt schmerzvoll die Motive ihres Vaters. Jetzt fällt ihr die Entscheidung leichter. Am 12. September 1846 lassen sich Elizabeth Barrett und Robert Browning in aller Heimlichkeit trauen; anschließend geht die Braut allein nach Hause, als sei nichts geschehen. Eine Woche später machen sich beide, mit dem Dienstmädchen und dem Hund, vom alten Barrett unbemerkt, auf den Weg nach Paris. Barrett verzeiht seiner Tochter diese Auflehnung gegen seine tyrannische Herrschaft nie. Alle Briefe, die sie dem verwitweten Vater später schickt, lässt er ungeöffnet an sie zurückgehen und straft Elizabeth aus ohnmächtigem Groll über seinen Tod hinaus, indem er sie enterbt.

Von Paris, wo sie sich eine Woche aufhalten, reisen die Brownings nach Pisa und verbringen dort ein halbes Jahr, bis zum April 1847. Das südliche Klima, der Himmel über Italien und das endlich freie Zusammenleben bekommen der Kranken so gut, dass sie an eine Freundin nach England schreibt, sie sei noch nie so glücklich gewesen. Eine Sammlung von 44 Liebes-Sonetten entsteht, mit denen die Dichterin ihren Gatten in Pisa überrascht. Nur widerstrebend gibt sie diese Texte, auf Bitten Brownings, später in einem kleinen Band heraus, tarnt sie aber als Sonette aus dem Portugiesischen. Gerührt zitiert das literarische England die Gedichtzeilen: „How do I love thee? Let me count the ways!…“, und wenige Generationen später liest man in Deutschland ähnlich bewegt Rilkes Übertragung: „Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie. / Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit, / als meine Seele blindlings reicht, wenn sie / ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.“

Ein Leben wie im Galopp über Gras

Im Frühjahr 1848 beziehen die Eheleute in Florenz eine billige Wohnung in einem kleinen Palazzo, der später als Casa Guidi einer politischen Dichtung von Elizabeth Barrett-Browning den Titel gibt. Das Eckgebäude (das heute übrigens ein kleines Browning-Museum beherbergt) liegt schräg gegenüber dem Pitti-Museum und dem Boboli-Garten. Das Dichterpaar genießt die Schönheiten der Arnostadt, unternimmt zu Pferde kleine Reisen nach Ancona und Ravenna, schreibt, liest und musiziert und empfängt gelegentlich Besuche von englischen Bekannten, die sich ebenfalls in der Umgebung von Florenz angesiedelt haben. „Es ist wie ein Galopp über Gras“, beschreibt die Dichterin in einem Brief ihr befreites Leben. Und Browning unterstreicht bildkräftig die harmonische Häuslichkeit: „Wir sind so glücklich wie zwei Eulen in ihrem Loch, oder zwei Kröten unter einem Baumstumpf.“ Gekrönt wird das Glück mit einem Sohn, Robert, der am 9. März 1849 geboren und „Pen“ gerufen wird.

Doch die familiäre Idylle lässt das Dichterpaar nicht etwa verstummen – jetzt schreiben beide in Idealkonkurrenz. Italien ist für die Brownings kein Museum. Ebenso sehr wie für die Kunst interessieren sie sich für das Alltagsleben und die politischen Verhältnisse in ihrem Traumland, das sich gerade vor ihren Augen, im Jahr der europäischen Revolution 1848/49, in einem blutigen Aufstand von der französisch-österreichischen Fremdherrschaft zu befreien beginnt. Italiens Risorgimento macht Elizabeth Barrett-Browning zum Thema eines Zyklus politischer Gedichte mit dem Titel Casa Guidi Windows, der 1851 erscheint. Ronert veröffentlicht 1855 seine italienischen Erfahrungen in der zweibändigen Gedichtsammlung Männer und Frauen, zu der auch die später berühmt gewordenen dramatischen Künstlermonologe Fra Lippo Lippi und Andrea del Sarto gehören. Zwei Jahre später erscheint Elizabeths aufsehenerregende Dichtung Aurora Leigh, eine große Verserzählung über eine englisch-italienische Schriftstellerin, die für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit kämpft.

Fünfzehn Jahre lang lebt und schreibt das englische Liebes- und Dichterpaar in Florenz, reist nach Mailand und Venedig, trifft den Kollegen Thackeray mit seinen beiden Töchtern in Rom, Thomas Carlyle und John Ruskin in London und George Sand in Paris – „eine edle Frau unter all dem Schmutz“, notiert Elizabeth, die der verwegenen französischen Kollegin fast einen Handkuss gegeben hätte. Im Frühsommer 1861 aber, gerade ins ruhige Florenz zurückgekehrt, stirbt Robert Brownings große Liebe – am 29. Juni in der Casa Guidi. Auf dem protestantischen Friedhof an der Porta Pinti wird Elizabeth begraben, und Robert Browning verlässt mit seinem Sohn Florenz für immer.

Er siedelte sich wieder in London an und schrieb intensiv. Sein Gedichtzyklus Dramatis Personae wurde 1864 in England und vor allem in Amerika wohlwollend aufgenommen. Die Stimmung der Kritiker hatte sich zu seinen Gunsten verändert, und auch die akademische Welt, der Browning nie angehört hatte, schloss den Poeten in ihre knöchernen Arme: 1879 wurde Browning von der Universität Cambridge zum Ehrendoktor der Rechte promoviert, drei Jahre später zum Magister Artium h. c. in Oxford ernannt. Die Wertschätzung, die er nun von vielen Seiten erfuhr, animierte ihn, Gesellschaft und Geselligkeit zu suchen. Als verehrter Poet hielt er stillvergnügt Hof in Londons literarischen Zirkeln, schrieb aber noch jeden Tag konzentriert an seinem umfangreichsten dramatischen Werk Der Ring und das Buch, der epischen Ausformung eines mittelalterlichen Mordfalles in der Toskana. Das zwölfbändige Opus erschien von 1868 an und wurde von Kritikern als „kostbarstes Geistesgeschenk seit Shakespeares Tagen“ gelobt, verschwand allerdings, anders als die Geistesgeschenke des Älteren, rasch in der Versenkung.

Robert Browning starb am 12. Dezember 1889 in Venedig, im Palazzo Rezzonico, dem damaligen Wohnsitz seines inzwischen recht ordentlich verheirateten Sohnes Pen. Doch nicht nach Florenz, an die Seite seiner Frau, ging die letzte Reise, sondern nach London, wo der Dichter in der Westminster Abbey mit allen Ehren beigesetzt wurde. Und der Cockerspaniel Flush, an dem die Brownings einst hingen wie an einem guten Freund, ist auch nicht vergessen. Ihm hat viele Jahre später Virginia Woolf das gebührende, literarische Denkmal gesetzt.

Der Autor ist Schriftsteller und lebt in Hamburg